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Erscheinungstermin: 26. JUNI 2010 Redaktionsschluss: 23. JUNI 2010
Kommentar:
In der schwarzen See lagen wir, über uns der Himmel so bespickt mit Sternen, dass J. meinte, er hätte den Bezug dazu verloren, dass sei so übertrieben, einfach nur. Wir waren jedenfalls ziemlich glücklich. Auf der anderen Seite des Sees blinkten die roten Lichter der Sturmwarnmasten, ich streckte meine Zehen aus der ölteppichgleichen Fläche, sah das Weiß meiner großen Zehe kaum. Die Haare ausgebreitet wie die Saiten einer Harfe, wie die Reisigstränge eines Besens im Wasser, alles so still, die Wasserpolizei näherte sich und sah mich nicht. Am Ufer sich aufbäumende Flammengebilde, unter mir vielleicht Ludwigs Gerippe oder der Bug seiner goldenen Gondel. Irgendwo zwischen mir und dem uneinschätzbar nahen oder weiten Ufer die Anderen. Liegen da auch im Wasser, verstehen das auch nicht, rufen auch nach mir, hören mich auch nicht, und diese Ruhe. Auf der Fahrt nach München bin ich selig wie ein Baby, meine Schläfe an der kühlen Scheibe, die einen halben Millimeter geöffneten Augen nach rechts verdreht, die Füße in eine Wolldecke gewickelt. Dann schlafen J. und ich mit zu 45° Winkeln nach hinten gebeugten Hälsen, während T. die für einen Menschen nicht erfassbare Geschwindigkeit besiegt, zwischen dunklen Tannenwäldern, deren Ende ich erst in Russland wähne, hindurch zischt. Als T. bei sich zu Hause aussteigt, finden wir schon Bodenwellen im Schritttempo aufregend, und müssen zum Wachwerden erst einmal in der Ludwigstraße parken. Dreieckige Iglos aus Plane stehen kreuz und quer vor dem pompösen Universitätsgebäude. Zähneputzende, Lachende, Sitzende, sich Übergebende, wild Diskutierende werden von Wärmestrahlern, unter denen uns zu schlafen angeboten wird, in ein unwirkliches Licht getaucht. Ein VW-Bus vor uns mit aufgemaltem Surfbrett und Hawaiiblume und kommunikationsfreudigen Insassen. Hier sei es ja ganz lustig und ganz, ja, schräg. Wir gucken uns aus dem Autofenster an, wie abgekämpfte Organisatoren Müll einsammeln. Wie sich jemand im verzweifelten Versuch, Aufmerksamkeit zu bekommen, mit Klebeband an einem Laternenpfahl befestigt, um dann lange und laut: Hilfe, Hilfe! zu schreien. Die Laterne vor uns gibt ihren Geist auf, wir drehen die Musik lauter, zwei Menschen rütteln am Auto, tanzen eine Runde Engtanz zu Hot Chip. Dann trudeln sie über den Fahrradweg davon und J. schmeißt den Motor an. Juno Meinecke, Juni 2010